No.31_Sinn-Bilder

  • 1 Ort, an dem du kreativ werden möchtest (z.B. am Schreibtisch, im Badezimmer, unterwegs in Bus oder Bahn, in der Fußgänger*innenzone, im Wald, in der Uni, am Strand, …)
  • Farben (z.B. Filzstifte, Buntstifte, Wachsmaler, Acrylfarbe, Aquarellfarbe, Tuschkasten, Sprühdosen, Kreide, …)
  • 1 Untergrund (z.B. Zeichenpapier, Leinwand, Aquarellpapier, Karton, …)
  • Achtsamkeit
  • Geduld
  • Mut zur Kreativität

„Sehen und Wahrnehmen sind so verschieden wie hören und zuhören“
– Erwin Koch

Unsere Wahrnehmung ist komplex und vor allem individuell. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten — das sind Dinge, die jeder Mensch auf andere Art erfährt. Aber wie funktioniert das eigentlich?
Augen, Ohren, Nase, Mund und Haut nehmen ununterbrochen Reize auf. Diese Reize können von außen kommen, wie der Duft von Parfum, oder auch von Innen, wie z.B. Hungergefühl. Die Reize werden über das Nervensystem an das Gehirn weitergeleitet.

Im Gehirn kommt dann das Erlernte dazu, die persönlichen Erfahrungen. Aus den Erfahrungen des Menschen und Gefühlen, die dieser vielleicht mit dem Reiz verbindet, entsteht eine Empfindung, die dann bewertet wird und eine Reaktion in uns hervorruft. Unsere Wahrnehmung — und damit auch unser Verhalten — sind also abhängig von dem, was wir wissen oder glauben. Wahrnehmung ist nicht nur das, was wir von außen aufnehmen, sondern das, was mit den Reizen passiert und wie wir sie verarbeiten. Das macht die Wahrnehmung so persönlich und individuell.

In der Kunst spielt Wahrnehmung eine große Rolle, meist in der Rezeption, aber auch im Entstehungsprozess von künstlerischen Arbeiten. Da unsere Wahrnehmung ständig aktiv ist, nimmt sie Einfluss auf jedes Werk — mal mehr und mal weniger. Deshalb bildet die Kunst, so naturalistisch sie auch sein mag, nie die Realität ab, sondern eine Wahrnehmung von Wirklichkeit. Künstler*innen, wie Gilgi Guggenheim, Oswaldo Maciá und Rita de Muynck nutzen ihre Wahrnehmung bewusst und schaffen Werke mit Hilfe von Sinneseindrücken.

„Wie man an die Wirklichkeit herangeht, ist für das ausschlaggebend, was man finden kann“ — Paul Watzlawick

Unsere Sinneswahrnehmung ist andauernd aktiv. Ständig nehmen wir tausende von Reizen auf, von denen nur ein Bruchteil verarbeitet wird. Diese selektive Wahrnehmung ist notwendig, damit wir nicht in einer totalen Reizüberflutung enden.
Was geschieht aber, wenn wir uns bewusst auf die einzelnen Sinne konzentrieren, uns Zeit nehmen, um bewusst wahrzunehmen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Starterkit „Sinn-Bilder“.
Mit diesem Starterkit lernst du sowohl deine Wahrnehmung als auch Farbe als künstlerisches Mittel neu kennen. Du brauchst keine Vorkenntnisse und kannst diese Übung allein oder gemeinsam mit mehreren Leuten machen. Du brauchst nur etwas Material und einige Impulse.

Wähle einen Ort, an dem du kreativ werden möchtest. Dieser Ort hat Einfluss darauf, was du wahrnimmst. Orte machen sozusagen Wahrnehmungsangebote. Schließlich passieren überall viele verschiedene Dinge. Das Spannende daran: Du lernst neue Perspektiven kennen, egal ob du einen dir bekannten Ort wählst oder einen Ort, an dem du noch nicht gewesen bist.

Stelle dir folgende Fragen (an deinem ausgewählten Ort):

  • Was höre ich?
  • Was rieche ich?
  • Was schmecke ich?
  • Was taste ich?

Schließe deine Augen und konzentriere dich auf deine Sinne. Versuche bewusst wahrzunehmen. Du kannst dir für jeden Sinn so viel Zeit nehmen, wie du möchtest. Plane mehrere Minuten ein. So kannst du deine Wahrnehmung und Empfindungen beobachten.
Verwende nun Farbe als Ausdrucksmittel. Auch hier hast du die Wahl: Überlege, welche Farben zu deinen Wahrnehmungen und Beobachtungen passen könnten. Wichtig ist nicht nur, welche Farbe du aufträgst, sondern auch wie: Du kannst kleckern, streichen, kritzeln, viel Farbe nehmen oder wenig, … — beim Ausdruck deiner Wahrnehmung gibt es keine Grenzen.

Künstlerische Positionen und Inspirationen

Drei Beispiele für das Thema Wahrnehmung im Kontext künstlerischer Produktion:

Mogewi Umbra Gefühle_Sinne_Wort_Sprache_Schule für Gestaltung St. Gallen_2017

Oswaldo Maciá Statement_ Künstler*innenWebsite

Sabine Reithmaier über Rita de Muynck_Klang der Farben_ Süddeutsche Zeitung Nr. 246, Kultur,  Donnerstag, 24. Oktober 2019 


Bilderstrecke

Mehr Beiträge zu Wahrnehmung und diesem Starterkit findest du bei @kunsterkunden auf Instagram. Dort stelle ich auch die Materialien genauer vor und zeige Ideen, die du nutzen, abändern oder erweitern kannst.